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Plea for nuclear energy

Für Hans-Peter Villis ist es eindeutig: „Wir brauchen Kernkraftwerke, um unseren Energiebedarf zu decken.“ In seiner Antrittsvorlesung sprach der neue Heinrich-Hertz-Gastprofessor über die „Energieversorgung zwischen Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Politik“.

Als Vorsitzender des Vorstands der EnBW hat er die Fakten parat, um das „Zieldreieck: Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit“ auszuleuchten und die globalen Rahmenbedingungen der Energieversorgung der nächsten 20 Jahre zu skizzieren: Schon ab 2020 wird es eine Stromlücke von rund 12.000 Megawatt geben, wenn wir aus der Kernenergie aussteigen.

In einem in schnellem Tempo gehaltenen freien Vortrag, der im akustisch miserablen Audimax mit unzähligen Folien, Tabellen und Skizzen untermauert wurde, sprach er in seinem ersten Vortrag über „Versorgungssicherheit und Erzeugungsmix“. Seine zweite Vorlesung am 13. Juli, 18 Uhr, im Audimax wird die Regulierung und den europäischen Energiemarkt behandeln, ein Seminar beschäftigt sich mit Problemen der Kraftwerkstechnik.

Villis machte eindringlich deutlich, dass der Energieverbrauch in den nächsten 25 Jahren um knapp die Hälfte wachsen wird, besonders die Schwellenländer wie China, Russland und Indien werden einen enormen Bedarf haben, um ihre wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Vor allem Öl wird eine dominante Rolle spielen, Gas zunehmen, aber auch die Kernenergie. Da auch die Weltbevölkerung drastisch wächst, wird der Stromverbrauch von 18 Millionen auf 27 Millionen Kilowattstunden ansteigen. Und da zum Beispiel China für den Energiebedarf jede Woche ein Kohlekraftwerk baut, steigt auch der CO2-Ausstoß enorm. Selbst im Fall einer ehrgeizigen Klimapolitik wird sich daran nichts ändern, zudem sich gerade China und Amerika nicht an die Umweltprotokolle halten wollen: Die meisten Szenarien, so Villis, gehen von einem Temperaturanstieg von vier Grad in den nächsten Jahren aus.

Das Problem sind aber nicht die privaten Haushalte: Fast 45 Prozent der Energie wird von der Industrie verbraucht, 23 Prozent vom Handel – sie erwirtschaften unseren Wohlstand. Und brauchen nicht nur den Strom, sondern auch die Sicherheit, dass er nicht ausfällt. Deswegen wird gemischt: 23 Prozent kommen aus der Kernenergie, 62 Prozent  aus fossilen Brennstoffen, 15 Prozent aus erneuerbaren Energien.

 



Um sich möglichst unabhängig von anderen Ländern zu machen, wird in Deutschland in Zukunft viel in andere Energiegewinnungsmethoden investiert, zum Beispiel in Windkraftwerke in der Ostsee, off-shore. Viele neue Technologien werden aber, so Villis, von der Bevölkerung abgelehnt, auch das neue Kohlekraftwerk in Karlsruhe. Man müsse aber, so Villis’ Schlussappell, nicht nur auf die Umwelt sehen, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit, ohne ideologisch verblendet zu sein. Vor allem, weil Kernkraftwerke ohne CO2-Ausstoß arbeiten und deshalb volkswirtschaftlich günstiger seien. Da aber die Regierung den Ausstieg beschlossen hat, investiert die EnBW in erneuerbare Energien. Die Kosten allerdings müssten die Bürger tragen.

Bei seinem ersten Auftritt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) trug sich Villis ins Goldene Buch der Universität ein (Foto 1). Rektor Horst Hippler (links) und Horst Marschall, Vorsitzender der Karlsruher Universitätsgesellschaft (KUG), überreichten Villis die Urkunde zur Professur (Foto 2). Die KUG finanziert die Hertz-Gastprofessur - den Scheck über 7500 Euro gab Villis der KUG postwendend zurück, damit sie ihn für einen sozialen Zweck einsetzen kann.



Georg Patzer

Letzte Änderung: 2009-08-06 04:29 pm