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Erneuerer in Forschung und Lehre

Informatik-Professor Detlef Schmid erhält das Bundesverdienstkreuz

Woraus er stets Kraft schöpfte, war die Überzeugung, dass es zur Durchdringung des Lebens mit Informatik keine Alternative gibt: „Nur so können wir es bewältigen.“ So zögerte er auch nicht lange, als ihm nach dem Fall der Mauer ein Kollege aus Dresden vorschlug, den ersten Sonderforschungsbereich in den neuen Bundesländern zu initiieren. Zwei Jahre arbeitete er an dessen Aufbau mit. „Das war wichtig für die Informatik in den neuen Bundesländern“, sagt Schmid, der sieben Jahre mit einem großen Kreis von Forschungsgruppen aus den alten und neuen Bundesländern in diesem Sonderforschungsbereichforschte.

Die Zeichen der Zeit zu erkennen und neue Entwicklungen aktiv mitzugestalten – das zeichnete Detlef Schmid auch an der Universität Karlsruhe aus. Er gehörte zu den Gründern des Instituts für Angewandte Kulturwissenschaft, drei Jahre war er dessen Geschäftsführender Direktor. „Mir war klar, dass die Ausbildung breiter sein musste, dass vor allem Soft Skills eine wichtige Rolle spielen“, so Schmid. Auch das Forschungszentrum Informatik brachte er mit auf den Weg: „Wir wollten enger mit der Industrie kooperieren und suchten dafür nach einer besseren Organisationsform“. Schließlich stieß er 1973 auch die Gründung des Fakultätentages Informatik an – „mit dem Ziel, die Lehrpläne zu vereinheitlichen“. Auch da überwand Schmid eine Reihe von Widerständen: Zu der Zeit habe die Politik der Informatik keine Selbstständigkeit zubilligen wollen – und wissenschaftliche Nachbarn wie die Elektrotechnik oder die Wirtschaftswissenschaften genauso wenig.

Schmid, 2002 emeritiert, war sechs Jahre lang Mitglied im Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In seiner eigenen Forschung konzentrierte er sich auf den Entwurf von Rechnern – das Institut, das er mit aufbaute und leitete, hieß „Rechnerentwurf und Fehlertoleranz“. Er erkannte, wie die Informatik angesichts der stetig komplexer werdenden Informationstechnologie auch neue Perspektiven bot. . „Die normalen Werkzeuge reichten nicht mehr aus – es brauchte neue Entwurfsmethoden“. Schmid hat es oft bedauert, dass eine der wenigen Gründungsideen, die er nicht realisieren konnte, sich um eine „Geistesschule der Entwurfsmethodik“ drehte.

Große Erfolge feierte Schmid auf dem Gebiet der High-Level-Synthese. Dabei geht es um die Synthese von Schaltungen über eine Programmiersprache als Entwurfswerkzeug. „Das Verfahren hat sich durchgesetzt“, freut sich Schmid – auch weil es bei komplexen Vorgängen allen bisherigen Ansätzen überlegen ist. Auch die Überprüfung von Hardware auf ihre richtige Funktion mit mathematischen Verfahren - die Hardwareverifikation - hat Schmid verbessert. Für sein Lebenswerk in Forschung und Lehre auf dem Gebiet Electronic Design Automation (EDA) 2004 verlieh das edacentrum, eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützte Einrichtung, Schmid die EDA-Medaille. (ele)
 
Letzte Änderung: 19.02.2009 10:37